Wir bitten höflich um vorherige Terminabsprache per E-Mail; (9-13 + 15-17 außer Mi); Termine auch außerhalb der Öffnungszeiten)

Pflichtteil aus 2020 geltend machen — Verjährung zum Jahreswechsel 2023/2024

Nach dem Eintritt des Erbfalls erfährt man, dass es ein Testament gibt und man in diesem Testament nicht als einer der Erben vorkommt, sondern mit dem gesetzlichen Pflichtteil bedacht wird. Das ist ein Anteil in Geld, nicht an einer bestimmten Sache (etwa einer Schmucksammlung oder einer bestimmten Immobilie).

Nun wird doch der Erbe alsbald ein Nachlassverzeichnis erstellen, die Quote ermitteln und sodann den Pflichtteil auszahlen?

Weit gefehlt.

Gerade wenn der Haussegen unter Erben und Pflichtteilsberechtigten etwas schief hängt, dann kann es sich für die Erben lohnen, den Pflichtteilsberechtigten hängen zu lassen.

Denn der Pflichtteilsberechtigte muss dann zur Wahrung seiner Rechte aktiv werden und mit erheblichen vier- und fünfstelligen Beträgen für Gerichts- und Anwaltskosten in Vorleistung gehen.

Es droht ansonsten, dass die Erben die Einrede der Verjährung erheben. Denn der Pflichtteilsanspruch nach §§ 2303, 2325 BGB verjährt gemäß der allgemeinen regelmäßigen Verjährung, §§ 195, 199 BGB mit Ende des dritten auf die Anspruchsentstehung folgenden Jahres.

Dieses Dreijahresende beginnt am Ende des Jahres zu laufen, in dem man alles weiß, was man wissen muss, um den Anspruch geltend machen zu können. Das ist hier: Kenntnis des Erbfalls und Kenntnis der eigenen Enterbung (und damit Pflichtteilsberechtigung).

Wenn dies also im Jahr 2020 bekannt wurde, dann kann die Einrede der Verjährung nach Ablauf des dritten auf 2020 folgenden Jahres (also ab 2024) erhoben werden.

Das Jahr 2023 endet am 31.12.2023. Dies ist ein Sonntag, daher verlängert sich die Verjährung auf den nächsten Tag, den 01.01.2024. Dieser ist ein gesetzlicher Feiertag, daher verlängert sich die Verjährung auf den Folgetag, den 02.01.2024, 23:59 Uhr. Bis dahin muss eine verjährungshemmende Maßnahme ergriffen sein (typischerweise Klageerhebung am Landgericht durch einen Anwalt) oder die Gegenseite dazu gebracht werden auf die Einrede der Verjährung für z.B. ein halbes Jahr zu verzichten.

Lassen Sie sich dazu beraten und beauftragen Sie einen Anwalt dafür. Beachten Sie, dass eine Rechtsschutzversicherung das nicht unbedingt abdeckt (z.B. bei Todesfällen vor Abschluss der Versicherung; „ein brennendes Haus wird nicht versichert“) und die Deckung auch gedeckelt sein kann auf rasch völlig unzureichende Beträge von beispielsweise 5.000 EUR für sämtliche Kosten im Zusammenhang mit diesem Erbfall.

About the Author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You may also like these